Foto: Birgit Hahnemann

Jugger aus dem Blickwinkel der Psychomotorik

Am Donnerstagnachmittag, den 14.04.2016 waren wir mit unseren beiden Gruppen zu Gast bei Flying Juggmen auf der Bonner Hofgartenwiese. Zuerst waren unsere „Kleinen“ (8-12 Jahre) dran. Jonas und weitere Teammitglieder rückten an. Sie hatten ein voll beladenes Fahrrad mit Spielutensilien und Spielfeldmarkierungen dabei. Weitere Kinder, die offensichtlich schon länger dabei waren trafen auch ein. Alle empfingen „die Neuen“ sehr herzlich.

An dieser Stelle möchte ich kurz erklären, was Jugger, diese frische und noch wenig bekannte Sportart überhaupt ist. Aus dem Regelwerk, gefunden auf www.jugger.org:

Kurzerklärung: Was ist Jugger?
„Jugger ist ein Sport für zwei Mannschaften. Ziel ist es, einen Ball (Jugg) möglichst oft im gegnerischen Tor (Mal) zu platzieren. Eine Mannschaft besteht aus fünf Feldspielern und bis zu drei Auswechselspielern. Lediglich einer der fünf Feldspieler, der Läufer, darf den Jugg aufnehmen und im Mal platzieren. Die anderen vier Feldspieler (Pompfer) sind mit gepolsterten Sportgeräten (Pompfen) ausgestattet, mit denen sie gegnerische Spieler abtippen können. Abgetippte Spieler dürfen für eine festgelegte Dauer nicht mehr am Spiel teilnehmen. So können die vier Pompfer den eigenen Läufer beim Punkten unterstützen.“

Nach ein paar Erklärungen zum Spiel, den Regeln und vor allem den Pompfen ging es auch schon los. Zunächst machten sich die Kids in Kleingruppen mit dem Material vertraut. Dann galt es ein paar Regeln einzuüben, d.h. wann und wo gelten Treffer, wie zeige ich, dass ich bereits getroffen wurde usw. Gegen Ende der Trainingszeit wurde die Mannschaftszugehörigkeit der Kinder mit Hilfe von farbigen Mannschaftshemden kenntlich gemacht und ein echtes Match gespielt. Es wurde gerannt, gesprungen, gebrüllt und gejubelt. Am Ende schauten wir in viele glückliche Kindergesichter.

Ab 18 Uhr kamen dann unsere „Großen“ (13-16 Jahre) dran. Sie durften mit den erfahrenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Bonner Crew trainieren. Dadurch, dass sie sofort in gemischten Gruppen (Neulinge und Profis) üben durften und sich auch ganz offen angenommen fühlten, war das Training sehr effektiv. Hier kam nun neben den Stäben, Q-Tips, Lang- und Kurzpompfen auch noch Schilde und eine andere Pompfe, die Kette, zum Einsatz. Alleine das Inspizieren und das Handling der verschiedenen Pompfenarten sorgten für eine Art magische Anziehungskraft auf unsere Jugendlichen.

Jugger hatte eine riesige Faszination für die allermeisten unserer teilnehmenden Mädchen und Jungen. Dies haben sie auch nochmal in unserem nächsten regulären Training benannt. Wir hoffen also, dass einige tatsächlich spätestens im Sommer nach Abschluss unseres Kurses bei den Bonner Flying Juggmen anzutreffen sind.

Aus unserer Trainersicht wäre das natürlich toll, denn häufig ist die Sportart später der entscheidende Faktor für langfristige Gewichtskonstanz auf einem gesunden Niveau. Jugger hat das Zeug dazu, so ein wichtiger Motivator zu werden.

Jugger erfordert Spielfreude, Schnelligkeit, Geschicklichkeit, Kraft, Ausdauer, Übersicht, Teamgeist, Fairness und vieles mehr. Es wird auf der Wiese gespielt. D.h. je nach Wetterlage wird man auch nicht allzu zimperlich sein dürfen. Das wichtigste scheint aber zu sein, dass man Spaß hat, an dieser Mischung aus Fantasy und Mittelalter – Spielidee.
Ein klein wenig erinnert Jugger an Online-Spiele, was vielleicht auch den hohen Aufforderungscharakter des Spieles miterklären kann. Die Spielidee ist so mitreißend, dass die körperliche Anstrengung der vielen Laufwege, Sprünge, Block- und Ausweichbewegungen gerne in Kauf genommen wird. Auch das Drum und Dran spielt eine Rolle. Ab einer gewissen Spielklasse hat auch die Kleidung und das Outfit eine Bedeutung. Von Anfang an werden die Pompfen sehr respektvoll behandelt. Die Bonner Gruppe hat alle Pompfen selber gebaut. Bambus, Schaumstoff, Kunststoff und Tape sind dabei die wesentlichen Materialien.
Umso großzügiger, dass unsere Kinder einfach so mitmachen durften und dabei auch die wertvollen Pompfen verwenden konnten.
Also nochmals, liebe Bonner Flying Juggmen: „VIELEN DANK!“

Weitere Informationen findet man hier: http://flying-juggmen.de/

Birgit Hahnemann

Förderverein Psychomotorik Bonn e.V.
Mitarbeiterin im Projekt
DURCH DICK UND DÜNN

Bildquelle: Birgit Hahnemann